"Kindersoldaten in Uganda"

Projekt des Carl-Orff-Gymnasiums in Unterschleißheim

 

Als Michael Blum im Februar 2006 die ehemalige indersoldatin China Keitetsi kennen lernt, entschließt er sich, ihre Geschichte auch den Schülern des Carl-Orff-Gymnasiums näherzubringen. Mit seiner Klasse 11ad entsteht daraus schließlich das Projekt ?Kindersoldaten in Uganda": Die Schüler erarbeiten gemeinsam verschiedene Themen (Geschichte Ugandas, Alltag von Kindersoldaten, ?Warum gerade Kinder?? etc.) und stellen ihre Ergebnisse dann in Form einer Powerpoint-Präsentation ihren Mitschülern in anderen Klassen vor. Teams von vier Schülern besuchen dabei jeweils eine Klasse und gestalten eine Unterrichtseinheit. Mehr...

 

Powerpoint Präsentation

Powerpoint Präsentation

 


Zukunft und ein Dach über dem Kopf für vergewaltigte Ex-Kindersoldatinnen, Diözese Nimbo-Bouaké/Côte d'Ivoire 

Am 19. September 2002 brach der Bürgerkrieg in der Mädchen mit traurigem Blick

Elfenbeinküste aus, ein ethnischer Konflikt zwischen Nord

und Süd. Das Land ist bis jetzt immer noch in der Mitte geteilt: Ab Bouaké - der zweitgrößten Stadt - aufwärts befinden sich die Rebellen, südwärts ist das Gebiet von der Regierung kontrolliert. Bis heute leben die Menschen in einer Bürgerkriegssituation. Schulen, Geschäfte wurden geschlossen, der Handel kam zum Erliegen. Auch das Mädchenheim der Schwestern von der Göttlichen Vorsehung musste vorübergehend geschlossen werden.

 

Ab Oktober 2003 sahen sich die Schwestern aus der Notwendigkeit heraus jedoch genötigt, ihr Heim wieder zu öffnen, um für die Mädchen da zu sein, die von den Rebellen entführt und gezwungen worden waren, als Kindersoldatinnen und Sexsklavinnen zu dienen.

127 Mädchen zwischen 8 und 14 Jahren werden derzeit bei den Schwestern betreut.

Zum Teil sind sie traumatisiert, sprechen nicht, haben

autistische Züge entwickelt. Kindersoldatin mit Baby

Es gibt körperliche und vor allem seelische Wunden, die es langsam zu heilen gilt.

 

Zunächst ist da die Phase des geduldigen Zuhörens

und des Dialogs. Es ist wichtig, dass die Mädchen zu den Schwestern Vertrauen finden und ihre Geschichte erzählen. Dann kann es geschehen, dass die Mädchen sich miteinander solidarisieren, alle gemeinsam miteinander sprechen, Gruppentherapie wird möglich. Daneben gibt es Unter-richt im Lesen und Schreiben, in Mathematik, Haushaltsführung, Staatsbürgerkunde, Gesundheitsvorsorge - hier vor allem Vorbeugung von Krankheiten insbesondere sexuell übertragbare Krankheiten, Aufklärung über AIDS und Schwangerschaft, Schutzimpfungen.

 

Je nach Neigung können die Mädchen
einfache handwerkliche Tätigkeiten erlernen
wie Nähen, Sticken, Basteln. Ehemalige Kindersoldatin
Auch das Tätig-Sein dient der Rehabilitation. Nach drei bis vier Monaten ergibt sich vielleicht die Möglichkeit, die Mädchen in eine Schule oder an einer Lehrstelle unterzubringen, wobei sie aber immer von den Schwestern begleitet werden.

Pro Person und Tag werden 1,50 Euro gebraucht für die Mahlzeiten. Das macht bei

130 Personen (inkl. Personal) 195,- Euro
am Tag oder 5.850,- Euro im Monat
.

                      

Für die handwerklichen Tätigkeiten muss Verschiedenes angeschafft werden:

  • 18  einfache Nähmaschinen:   2.742,- Euro (eine Maschine: 152,- Euro)
  • 50  Strang Stickgarn              198,- Euro
  • 200 Rollen Baumwollfaden         30,- Euro
  • 100 Häkelnadeln                    15,- Euro                                                                       

Jeder Teilbetrag hilft und dient dem körperlichen und seelischen Gesundwerden dieser Mädchen.

 

Projektförderung

Heidrun Göttler

Tel. 089/5162-319

Fax 089/5162-335

E-Mail: h.goettler@missio-muenchen.de

 

 


Thambalabasha - Hoffnung der Jugend?

lachende Kinder, Finetown

Südafrika gilt zu Recht als eines der reichsten Länder auf dem schwarzen Kontinent - und das, obwohl 61% der schwarzen Bevölkerung mit weniger als 45 Euro im Monat ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen. Am meisten betroffen - sind wie überall - die Kinder. 57% der südafrikanischen Kinder leben in absoluter Armut - vergleichbar mit der Armut in Ländern wie Indien oder Liberia.

Über zehn Jahre sind seit dem Ende der Apartheid vergangen; die Demokratie hat vieles zutage gefördert, was lange im Verborgenen lag: Armut und Arbeitslosigkeit, Gewalt und Missbrauch von Frauen und Kindern, beengte Wohnräume und Aids. Auch in der Post-Apartheid-Epoche Südafrikas lebt die Mehrheit der schwarzen Bevölkerung in den während der Apartheid geschaffenen Townships oder in illegalen Siedlungen rund um Großstädte wie Johannesburg oder Kapstadt. Hier leben aber auch engagierte Menschen, die sich für die Belange der Ärmsten der Armen einsetzen und ihnen bei der Verbesserung ihrer Lebensumstände helfen.
Zwei dieser tatkräftigen Persönlichkeiten habe ich auf meiner Projektreise für missio besucht. Pater Philippe, ein Ordensmann der Weißen Väter, und Schwester Margret von der Kongregation Don Boscos.

Rosie, Finetownmissio, das Internationale Missionswerk der Katholischen Kirche mit Sitz in München und Aachen, unterstützt seit fast 200 Jahren Menschen wie Pater Philippe oder Schwester Margret bei ihrer Arbeit. In über 120 Ländern setzen sich kirchliche Mitarbeiter für die Bekämpfung von Armut und Krankheit, die Durchsetzung der Menschenrechte und die Friedensarbeit in von Kriegen zerrütteten Ländern ein.


von rechts: Andrew McGibbon, Schwester Margret, Maria PerreiterKurz nach meiner Ankunft in Johannesburg treffe ich auf Andrew McGibbon, einen 24-jährigen Südafrikaner, der mich als Fotograf in die Slums rund um die Metropole begleiten wird. Gemeinsam mit Andrew lasse ich am nächsten Morgen das moderne Johannesburg mit seinen Neonreklamen und Lichtern hinter mir. Unser Ziel ist Orange Farm, die wohl Weilers Farmbekannteste illegale Siedlung in Südafrika. Nach einer guten Stunde Fahrt treffen wir im Konvent der Weißen Väter ein, wo wir bereits erwartet werden. Pater Philippe, ein belgischer Ordensmann, will mit uns kommen, ihn kennt man hier. Ohne seine Begleitung ist es nicht ratsam, durch die Siedlung zu gehen. Weiße sind hier nicht gern gesehene Gäste. Pater Philippe hat es eilig, er will mit uns nach Weilers Farm, einer weiteren illegalen Siedlung. Dort hat er vor einigen Monaten mit Privatspenden aus Belgien ein Zentrum für neun bis zwanzigjährige Jungen errichtet. Über staubige Pisten, vorbei an armseligen Wellblechhütten, jagt Pater Philippe seinen altersschwachen Toyota. Nach der rasanten 30-minütigen Fahrt stehen wir vor drei Holzhäusern und einer Wellblechhütte: Thambalabasha, Hoffnung der Jugend, heißt das neu gegründete Zentrum des Paters.

Trist und hoffnungslos wirken die Buden am Rande des Slums auf uns. Doch dieser Eindruck ändert sich schlagartig, als wir vor der größten Hütte anhalten und aus dem Wagen steigen. Ca. 60 Jungen stürmen aus den Hütten und umringen die fremden Besucher. Sie lachen und schreien durcheinander, jeder will sich Gehör verschaffen. Philippe stellt uns schließlich vor und bittet alle, sich in der Wellblechhütte, die als Gemeinschafts- und Speisesaal dient, zu versammeln.


Sandale beim Essen Das Zentrum steht den Kindern nach der Schule offen. Fast alle kommen aus zerrütteten Familien. Zuhause sind sie nicht willkommen. Bevor der Pater das Zentrum eröffnete, lungerten die Kinder auf der Straße herum, sie bettelten, stahlen, nahmen Drogen. Jetzt kommen sie zu Philippe. Dort fühlen sie sich geborgen und erhalten wenigstens einmal am Tag eine kleine Mahlzeit, die ein nah gelegener Supermarkt kostenlos zur Verfügung stellt. Brot, Honig und Joghurt, mehr hat auch der Ordensmann den Kindern nicht anzubieten. Liebevoll schmiert er für die Kleinen Brote und öffnet die Joghurtbecher.


Pater Philippe im Gespräch mit Luyanda und PapikiNeben dem Essen erhalten die Kinder Nachhilfe und Betreuung bei der Erledigung der Hausaufgaben. Viele können auch mit 12 oder 13 Jahren weder lesen noch schreiben. Die meisten Schulen in den Slumvierteln sind miserabel ausgestattet, und es gibt nur wenige Lehrkräfte - schlecht bezahlt und oft schlichtweg überfordert. Pater Philippe versucht durch Gespräche die Kinder zu motivieren, hört ihnen zu und nimmt ihre Sorgen und Ängste ernst. Aber er verlangt auch Mitarbeit und Engagement. Ohne Disziplin und die klare Festlegung von Grenzen geht es nicht. Viele der Kinder und Jugendlichen erfahren oft zum ersten Mal, was Pünktlichkeit, Ehrlichkeit und Geborgenheit bedeuten.


Papiki beim Fußball spielenNach dem Essen spielen die Kinder Fußball. Sie alle eifern den "Bafana Bafana", den "Jungs", wie die Südafrikaner liebevoll ihre Fußballnationalmannschaft nennen, nach. Lärmend laufen sie über das stoppelige Feld vor dem Zentrum und freuen sich über die neuen Fußbälle, die wir mitgebracht haben. Ein Fußball ist hier keine Selbstverständlichkeit, meistens wird hier mit Dosen oder mit aus Zeitungen zusammengeschnürten Knäueln gekickt. Nach einem harten, aber fairen Match sollen die Kinder ihre Hausaufgaben machen und lernen. Wir kommen ins Gespräch mit Papiki und Luyanda, zwei Buben, die uns ihre Geschichte erzählen. Beide stammen aus zerrütteten Familien, haben jahrelang auf der Straße gelebt, geklaut und Klebstoff geschnüffelt. Keine Einzelschicksale, wie uns der Ordensmann bestätigt, vielmehr typisch für das Leben fast aller Kinder hier.


Portrait PapikiPapiki ist 14 Jahre alt. Mit breitem Grinsen und gespieltem Selbstbewusstsein erzählt er uns von seinen Diebstählen, seinen Einbrüchen und Drogenexzessen. Nach Hause geht er nicht gerne. Seine Mutter ist immer betrunken und ihr neuer Freund schlägt ihn und seine achtjährige Schwester. Er ist froh, dass er nach der Schule zu Philippe kommen kann. Erst seit einem Jahr geht er überhaupt wieder zur Schule. Das Lernen macht ihm Spaß. Stolz erzählt er uns, dass er in Mathematik besonders gut sei. Sein größter Traum: eines Tages viel Geld zu verdienen, um sich ein deutsches Auto zu kaufen; einen Mercedes für sich und seine kleine Schwester.



Portrait Luyanda Luyanda ist 17. Ein sensibler junger Mann. Ganz anders als der Draufgänger Papiki spricht er von dem Schmerz, der einen quält, wenn man vom eigenen Vater vor die Tür gesetzt wird; ihm ist es so ergangen. Und er träumt von Kunst. Künstler will er werden, um seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Er ist kein großer Redner. Vor fünf Jahren kam er mit seinem Vater und seinen drei Schwestern nach Weilers Farm, weil die Miete für das Haus in Soweto nicht mehr zu bezahlen war. Der soziale Abstieg, der Verlust seiner Freunde und der ständige Streit mit seinem Vater - der ihn schließlich verstoßen hat - haben tiefe Spuren in seiner Seele hinterlassen. Bevor Pater Philippe kam, lebte auch er auf der Straße, schnüffelte Klebstoff und nahm Drogen. Heute lebt Luyanda im Konvent der Weißen Väter, obwohl diese selbst nur beengten Wohnraum haben.Hütte von LuyandaAber zu seinem Vater will und kann er nicht zurück. Pater Philippe versucht immer wieder zu vermitteln, aber der jähzornige Vater hat nur wenig Interesse an seinem einzigen Sohn. Luyanda möchte uns zeigen, wo die Hütte seines Vaters steht. Es ist Dienstag, das trifft sich gut, da arbeitet Luyandas Vater als Gärtner in einem der reichen Villenvororte von Johannesburg. Umgerechnet 5 Euro verdient er dafür pro Tag.


Lyuanda mit SchwesterIn der Hütte treffen wir auf Luyandas älteste Schwester. Maishe ist zwanzig Jahre alt. Die Schule hat sie erfolgreich abgeschlossen. Aber einen Beruf erlernen oder aufs College gehen kann sie nicht. Sie muss sich um ihre jüngeren Geschwister kümmern.




Hütten, FinetownAm nächsten Tag machen wir uns nach Finetown auf, in eine andere illegale Siedlung vor den Toren Johannesburgs. Der Name Finetown wirkt zynisch für das Konglomerat aus heruntergekommenen Hütten, bestehend aus Brettern, Wellblech und Industrieabfällen, ohne Wasser, Strom, Kanalisation oder Müllabfuhr. Die Mehrheit der Bewohner von Finetown hat keine Arbeit. Die Kriminalitätsrate ist hoch. Eine Sozialarbeiterin spricht von einer Missbrauchsrate bei Kindern und Frauen von 90%.


Schwester Margret und Kinder Auch hier werden wir erwartet, von Schwester Margaret, der 69-jährigen Leiterin eines Zentrums für Kinder und Erwachsene mitten im Slum von Finetown. "Unsere Aufgabe ist es, den Kindern ihr Selbstwertgefühl zurückzugeben. Wenn wir ihnen die Möglichkeit geben können, wieder Kind zu sein, Zeit zu haben, um zu lachen und zu spielen, dann haben wir schon viel erreicht, um den Kreislauf von Armut und Missbrauch zu durchbrechen." So erklärt Schwester Margret ihre Arbeit und spricht die zwei größten Probleme in den illegalen Siedlungen an: Armut und Missbrauch.

Das Zentrum der Don Bosco Schwestern heißt "Arche Noah". Ein Team rund um Schwester Margaret kümmert sich um Kinder und Erwachsene. Es gibt eine Kinderkrippe, Computerkurse, zwei warme Mahlzeiten für die Kinder. Schwester Margret und eine Sozialarbeiterin besuchen die Familien in ihren Hütten. Die Ordensfrau kennt die traurigen Schicksale der Menschen hier. Wir begleiten sie auf ihrem täglichen Rundgang und treffen Nneheng..


Portrait NnehengNneheng war 7 Jahre alt, als ihr Vater starb. Heute ist sie 9 und HIV-positiv. Sie kümmert sich um ihre Mutter Ntmane, die von Aids, das sich hier pandemisch ausbreitet, bereits so stark gezeichnet ist, dass sie nicht mehr für sich selbst sorgen kann. Als wir in die knallrot gestrichene Hütte eintreten, versucht Ntmane aufzustehen, um uns zu begrüßen. Aber sie ist zu schwach, ihr Körper von der Krankheit ausgezehrt. Die Augen liegen tief in dem eingefallenen Gesicht. Nneheng spricht nicht viel und nur selten erscheint ein Lächeln auf ihrem zu früh erwachsenen Gesicht. Früher ging sie gerne zur Schule, ihr Lieblingsfach war Musik. Gemeinsam mit ihrem Vater hat sie in der Kirche gesungen, aber durch den Tod des Vaters hat sie auch die Freude an der Musik verloren. Nneheng lebt von dem, was sie von Schwester Margaret bekommt. Jeden Tag kommt sie ins Zentrum, um Lebensmittel und Medikamente für ihre Mutter zu holen. Aber manchmal geht auch sie zur nächstgelegenen Tankstelle. Dort gehen viele Jugendliche hin, um zu betteln und um ihre Körper zu verkaufen. Sugar Daddy's nennen die Mädchen die Männer, die ihnen gegen Sex Geld oder Waren geben - auch Lebensmittel. Nneheng ist 9 Jahre alt.

von Maria Perreiter

(Missio München, Projektabteilung)

Mädchen aus FinetownLiteraturhinweise:


Lloyd Vogelman & Sharon Lewis: Illusion der Stärke: Jugendbanden, Vergewaltigung und Kultur der Gewalt in Südafrika, in: Der Überblick (herausgegeben von EED und BfdW), Nr. 2, Seite 39-42, 1993 UNAIDS 2004 Report on the global Aids epidemic
Nelson Mandela: Der lange Weg zur Freiheit, Taschenbuch, 861 Seiten, Fischer Verlag
Desmond Tutu: Keine Zukunft ohne Versöhnung, Gebunden, 238 Seiten, Patmos Verlag




Hinweis:
Missio, Spendenkonto 80 004 bei der Liga Bank München, BLZ 750 90 300.



Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit