


Edith Werner, 208 Seiten, Regensburg 2009
Wer sich über Afrika informieren will, der wird fast unweigerlich mit widersprüchlichen Aussagen konfrontiert. Einerseits wird Afrika in mystische Bilder gefasst, wenn zum Beispiel vom »Herz der Finsternis« die Rede ist, oder die oftmals schier aussichtslose politische und wirtschaftliche Situation des Kontinents wird mit den Adjektiven dunkel, vergessen oder verloren beschrieben. Andererseits knüpfen sich an die Rede von Afrika häufig sehr positive Fantasien, die sich auf die unglaubliche Vielgestaltigkeit dieses fremdartigen Kontinents gründen. Diese Gleichzeitigkeit von Chancenlosigkeit und Chancenreichtum lässt den Wissbegierigen leicht ratlos zurück. In dieser Situation eine Grundlage für verlässliches politisches Urteilen zu finden ist eine der Aufgaben, vor die sich die »Erste Welt« gestellt sieht. Aufgrund der internationalen Verflechtungen und der wechselseitigen Abhängigkeiten können wir uns als Bewohner dieser »Ersten Welt« eine Distanz und bloßes Zusehen nicht mehr leisten. Und die politische Bildung ist geradezu verpflichtet, den Prozess des Verstehens und des Kennenlernens dieses Kontinents voranzubringen. Das gilt umso mehr angesichts der Tatsache, dass Afrika im Sommer 2010 durch die Austragung der FIFA-Fußballweltmeisterschaft im Mittelpunkt des weltweiten medialen Interesses stehen wird. Selbstverständlich spielt die Republik Südafrika - das Land, das die Weltmeisterschaft ausrichtet - eine Sonderrolle innerhalb des Kontinents. Gleichwohl wird dieses Großereignis die Aufmerksamkeit auf den gesamten Kontinent lenken. Das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus, hier die Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, hat sich dieser Herausforderung mit seinem Projekt »Tor nach Afrika« gestellt, das 2005 unmittelbar im Vorfeld der im eigenen Land ausgetragenen WM initiiert wurde. Im Rahmen dieses Projekts wurden bayerische Schülerinnen und Schüler über die Lebenswirklichkeit im südlichen Afrika anhand von vielen Fallbeispielen informiert. Zu diesem Zweck hat die Landeszentrale sehr intensiv mit den Kirchen und Nichtregierungsorganisationen zusammengearbeitet, die als vor Ort nachhaltig helfende Institutionen einen ausgezeichneten Einblick in den Alltag der afrikanischen Bevölkerung ermöglichen. Zentrale Themen dieser jetzt mehrjährigen Projektarbeit waren unter anderem die Frage nach dem Umgang mit HIV-Aids, die Problematik überbordender Gewalttätigkeit in Südafrika und in verschiedenen anderen Regionen des Kontinents sowie der Skandal des Kindersoldatentums, auch wenn Letzterer in Südafrika keine Rolle spielt. Im Projekt »Tor nach Afrika« ging und geht es der Landeszentrale nicht zuletzt darum, die Position des bloßen und oftmals vorschnell pessimistischen Beobachtens zu verlassen und Begegnungen zwischen den Kulturen zu fördern. Der Sport und insbesondere der Fußball, der von Kindern und Jugendlichen in unserem Land wie im südlichen Afrika mit Begeisterung verfolgt und gespielt wird, haben sich dabei gleichsam als ein Schutzraum erwiesen, in dem es dann möglich war, weitergehende Fragen anzusprechen und zu diskutieren. Die sich daran anschließenden interkulturellen Begegnungen und Lernformen haben neben persönlichen Gesprächen im Rahmen eines bayerisch-südafrikanischen Treffens in München
www.club-der-guten-hoffnung.de sehr erfolgreich das Mittel der Videokonferenz eingesetzt, um direkt miteinander zu kommunizieren. Zum Ende des Projekts »Tor nach Afrika« präsentiert die Landeszentrale nun ein Buch zur südafrikanischen Republik, das Einblicke in Geschichte, Politik, Kultur und Alltag dieses Landes gibt. Es soll den Lehrkräften, aber auch allen anderen in der politischen Bildungsarbeit Tätigen, die sich mit Afrika beschäftigen, ermöglichen, den Diskussionen und Fragen, die gerade im Vorfeld der Fußballgroßveranstaltung 2010 sicherlich auftauchen werden, mit gesichertem Wissen zu begegnen. Diese Publikation ergänzt die beschriebenen Aktivitäten der Landeszentrale und bietet eine fundierte Orientierung in Fragen, die Südafrika betreffen. Möge das vorliegende Buch dazu beitragen, das durch die FIFA-Fußballweltmeisterschaft gesteigerte Interesse an Afrika auch nach den
Spielen wach zu halten und zu vertiefen.
Sie erhalten das Buch über die
Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit
Praterinsel 2, 81538 München
Die 4. Auflage des Handbuchs "Entwicklungspolitik in Bayern" ist erschienen und kann über die Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit bestellt werden.
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